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Der Schimmelsprung - Sage in Gedichtform



1. Seid ihr wohl alt, seid ihr wohl jung!
Hört jetzt die Sag’ vom Schimmelsprung;
Die heute noch in aller Munde,
Von einem Wackeren gibt die Kunde!


2. Einst schlug ein wilder Feindessohn
Auch unser Land in seinen Fron!
Zog da der Krieger wüster Hauf,
Durchs Kamptal gegen Gars herauf!


3. Sie plagten rings das weite Land
Und Markt und Dorf in Flammen stand;
Im Feuer glüht manch festes Schloss,
Das stürmend nahm der Feinde Tross!


4. So kamen sie zur Burg Thunau,
Dem Felsennest, der Adlerschau;
Der Ritter Wolfram war bereit,
Zu messen sich in Kampf und Streit.


5. Mit Tapferkeit, mit stolzem Grimme,
Rief er vom Turm mit Donnerstimme:
Solang hier liegt noch Stein auf Stein,
Kommt uns kein Feind zur Burg herein!


6. Die Burg hielt fest der Tage acht,
Ward mancher Feind hier kaltgemacht;
Da spielt der Schurke auf zum Tanz,
Wirft in das Schloss des Peches Kranz!


7. Das Feuer loht, ach weh und ach,
Von Schindeldach zu Schindeldach;
Die Glut wächst rasch zum Höllenbrand
Und treibt die Mannen aus dem Stand!


8. Der Feind der brüllt, setzt an zum Sturm,
Steigt über Zinnen nah beim Turm;
Der Wolfram kennet die Gefahr;
Dass alles aus, das ist ihm klar!


9. Er stürzt durch Qualm, er holt sein Pferd,
Den Schimmelhengst von hohem Wert!
Und reitet, - kämpfend wie ein Leu,
An seiner Feinde Schar vorbei!


10. Man hört das Poltern mit den Hufen,
Hinauf die vielen, vielen Stufen;
Jetzt durch des Ahnensaales Pracht
Des Rosses Stampfen schaurig kracht!


11. Ein letzter Blick zum Bild des Ahn’
Der Ritter sprengt auf den Altan;
Der Schimmel bäumt zur Eichenrampe,
Der Sprung geht tief hinab zum Kampe!


12. Zerschmettert liegen im Morgentau
Nun Ross und Reiter von Thunau,
Und die den jähen Sturz gesehn,
Zum Himmel auf um Gnade flehn!


13. Dem Feindessohn, dem wilden Helden,
Man dies’ Geschehen bald tat melden;
Er eilt herbei auf schnellen Wegen,
Er senkt in Ehrfurcht seinen Degen!



14. Der Sieger spricht, wohlan ihr Streiter!
Eh’ unser Siegeszug geht weiter,
Lasst uns bestatten mit dem Pferde!
Den tapfern Sohn der Heimaterde!


15. Dann gruben rüstig um die Wette,
Die Krieger eine Grabesstätte;
In die sie senkten Reitersmann und Schimmel,
Als stand der Mond am Abendhimmel.


16. Noch ragt der Fels an dieser Stelle,
Noch rauscht des Kampes braune Welle,
Noch denken wir des kühnen Helden,
Den ?st’reichs Ruhmesblätter melden!


Quelle: verfasst von Hauptschullehrer Hugo Spiegl; Horn, 1949



 
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Kommentare  

 
#2 literaturbohhel 2016-05-20 19:23
gibt es ausreichend Literatur ueber diese ruine und das kloesterle
 
 
#1 RE: GedichtHermann 2011-04-12 09:39
Danke Hannes, für den Hinweis zu diesem Gedicht. :-)