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Auszug aus dem Garser Kulturbrief 1999

RUINE SCHIMMELSPRUNG - MIT DEN AUGEN EINES
"VEREHRERS" BETRACHTET


Herr Emil Desinger aus Paudorf, der einige Kriegssommer in der Thunau verbrachte, zählt sicher zu den größten Freunden und unermüdlichen Forschern nach den Ursprüngen unserer Ruine Schimmelsprung. Ihm haben wir etliche Sagen, die sich auf diese Mauerreste beziehen, zu verdanken.
Anbei einige seiner Erkenntnisse, die er zwar als Laie, aber mit viel Fachwissen und auch Phantasie, gewinnen konnte.


Kurzbeschreibung der Anlage:


Einst führte ein breiter, steinbelegter Weg über drei Sicherungsgräben zum heute nicht mehr erkennbaren Haupteingang am Westteil der Anlage. Die etwas erhöhte, seinerzeit stark befestigte Innenburg (ca. 30 x 15 m) ist nur mehr in Resten erhalten. Manche Rätsel ließen sich mit Fundamentgrabungen lösen. An der nördlichen Mauer ist neben Resten eines Wehrturms ein kleiner Ausgang (2 x 0,85 m) zu erkennen. Es ist anzunehmen, daß sich auf den umrundenden Burgmauern einst solide, hölzerne und überdachte Wehrgänge befanden. Massives Holz und nicht allzu
starke Mauern reichten - bis zur Erfindung der Feuerwaffen - aus.


Der Kern der meisten Sagen beschäftigt sich mit dem Tod eines tapferen Kriegers durch den Sprung in die Tiefe. Dabei ist sowohl vom Sprung eines Tempelritters, als auch vom Sprung des Ritters Wolfram die Rede. Für den Tempelritter spricht die Tatsache, daß die Burg 1390 aufgegeben wurde, doch die Verfolgung dieses Ordens bereits 1310 einsetzte. Für die andere Variante sprechen die Kriegshandlungen, die im 15. Bis 17. Jahrhundert unser Gebiet heimsuchten.


1427 Hussitenkriege:

Sie zogen plündernd, brennend und mordend durchs Kamptal und brannten in Gars ebenfalls einige Häuser nieder.

1597 Bauernkriege:

Aufständische Bauern sammelten sich in Gars und wurden in einer mörderischen Schlacht von den Kaiserlichen niedergeworfen.

1620 Dreißigiähriger Krieg:

Kampf zwischen der kaiserl. Reiterei und protestant. Truppen in Gars, das teilweise in Flammen aufging. Ohne weiteres hätte sich bei einer dieser Kampfhandlungen ein versprengter Haufen in die bereits desolate Burg flüchten und dort aufgespürt werden können.

Herr Desinger gewann bei seinen vielen Besuchen - von einem Fachmann begleitet - neue Erkenntnisse, die nicht uninteressant scheinen:


Neue, mühsame Nachrnessungen ergaben seiner Ansicht nach einen nach Süden, ca.4 m breiteren Pallas, außerdem wäre in diesem Bereich mindestens ein Fenster erkennbar. Im Pallas habe sich nicht nur ein - teilweise freigelegtes - Gewölbe befunden, sondern mindestens noch zwei weitere. An der Nordseite der Innenburg könne man in der Mitte durch Grundmauerreste (ca. 6 x 6 rn) auf einen wehrhaften Turm schließen vielleicht der Bergfried. Die imposanten Zerstörungen - auch von robusten Gewölben lassen auf eine mutwillige Zerstörung durch Sprengung (wie die Schweden häufig vorgingen) schließen.


Elisabeth Sachs

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Kommentare  

 
#1 RE: Garser Kulturbrief Hermann 2012-09-20 06:41
Ein Großes DANKE an Firtz, der diesen Artikel aufgestöbert hat! :-)